Interview mit Volker Güntzel zum Thema Franchise

Dr. Volker Güntzel

Dr. Volker Güntzel

Franchise Welt: Hallo Herr Dr. Güntzel, vielen Dank für das Interview zu Franchise Welt. Wir sind ein ganz junges und neues Portal im Bereich Franchise. Was genau hat Sie dazu bewegt Partner hier bei Franchise Welt zu werden?

Dr. Volker Güntzel: Da die Bedeutung des Internets immer weiter steigt, finde ich es gut, wenn ein neues Portal besteht, auf dem sich Franchise-Interessenten aber auch Franchisegeber bzw. Unternehmer, die dies werden wollen, kostenlos informieren und Rat einholen können. Als auf die Vertretung von Franchisegebern spezialisierter Rechtsanwalt bin ich natürlich auch daran interessiert, dass Franchisesysteme in Deutschland weiter expandieren, d. h. möglichst viele neue Franchisenehmer akquirieren können. Dabei ist es für beide Seiten wichtig, wenn Franchise-Interessenten die Gelegenheit haben, sich über interessante Systeme aus verschiedenen Branchen zu informieren und die Chancen und Risiken, die mit einem Eintritt in ein System einhergehen, besser abwägen zu können. Daher will ich dieses neue Portal mit Rat und Tat unterstützen und den Nutzern gerne für ihre Fragen zur Verfügung stehen.

Franchise Welt: Wie genau sind Sie zum Franchise gekommen und wie lange sind Sie bereits in der Branche aktiv?

Dr. Volker Güntzel: Nachdem ich als wissenschaftlicher Assistent an der Universität Würzburg gearbeitet und meine Promotion beendet hatte, wollte ich als Anwalt im Wirtschaftsrecht tätig werden. Das Franchiserecht hat dabei mein besonderes Interesse geweckt, da in diesem Bereich trotz der wirtschaftlichen Bedeutung der Franchisewirtschaft nur wenige auf Franchiserecht spezialisierte Rechtsanwälte tätig sind und ich als Anwalt durch die Führung von Gerichtsverfahren und die Vornahme von Veröffentlichungen die Weiterentwicklung des Franchiserechts in der Bundesrepublik Deutschland beeinflussen kann. Da es kein Franchisegesetz im eigentlichen Sinne gibt, sind es gerade die Entscheidungen von Gerichten und die Darstellungen im Schrifttum, die den jetzigen Stand des Franchiserechts geprägt haben und weiterhin prägen werden. Ich bin nun bereits mehr als sieben Jahre im Franchiserecht tätig und berate inzwischen mehr als 100 Systeme im Bereich der Expansion, aber auch der Abwehr von Angriffen ausgeschiedener Franchisenehmer bzw. Wettbewerber etc.

Franchise Welt: Was fasziniert Sie denn besonders beim Thema Franchising?

Dr. Volker Güntzel: Zum einen faszinieren mich die Herausforderungen, die die Etablierung und Expansion eines Franchisesystems mit sich bringt. Obwohl die Franchisenehmer in einem „engen Korsett“ stecken müssen, um ein einheitliches Markenerlebnis zu gewährleisten, handelt es sich eben um selbstständige Unternehmer mit eigenen Vorstellungen und Zielen. Konflikte bleiben da nicht aus. Ich sage immer: „Auch in einer guten Ehe wird ab und zu gestritten.“ Zum anderen bietet das Franchising, wenn es sorgfältig und richtig angegangen wird, sowohl für den Franchisegeber als auch für die Franchisenehmer hervorragende Chancen. Franchising verknüpft letztlich die Vorteile eines Kleinunternehmens mit denen eines Konzerns: Der jeweilige Franchisenehmer kann vor Ort als „kleines“ Unternehmen schnell und flexibel auf Veränderungen am Markt, Besonderheiten in der Region etc., reagieren und die regionale Marktführerschaft erobern. Das Franchisesystem als Ganzes profitiert von dem einheitlichen Markenauftritt und dem einheitlichen Markenerlebnis und kann aufgrund der Größe des Systems Einkaufsvorteile gewährleisten.

Franchise Welt: Viele Personen schrecken zurück, wenn sie das Wort Franchising hören. Gibt es in diesem Bereich wirklich so viele schwarze Schafe?

Dr. Volker Güntzel: Es kann selbstverständlich nie ausgeschlossen werden, dass sich in der Franchisewirtschaft, die beinahe 1.000 Franchisesysteme umfasst, hin und wieder mal ein schwarzes Schaf befindet. Angesichts der Bemühungen des Deutschen Franchise-Verbandes, der detaillierten Rechtsprechung im Hinblick auf die Pflichten zur vorvertraglichen Aufklärung und der Presse, die sich stets mit Begeisterung auf negative Beispiele stürzt, halte ich allerdings die Gefahr, an ein wirklich schwarzes Schaf zu geraten, für Franchise-Interessenten für gering. Der Franchise-Interessent sollte, wie stets, wenn ein wirtschaftliches Risiko eingegangen wird, die ihm vorliegenden Informationsquellen nutzen, d. h. sich möglichst umfassend vor Abschluss eines Franchisevertrages über das entsprechende Franchisesystem informieren. Zudem sollte er sich von externen Beratern, z.B. im Hinblick auf die Erstellung des Businessplans, die Überprüfung des Franchisevertrages etc., unterstützen lassen, wenn er selbst über die entsprechenden Fähigkeiten nicht verfügt. Erhebungen des Deutschen Franchise-Verbandes zeigen, dass Existenzgründer, die sich als Franchisenehmer selbstständig gemacht haben, seltener scheitern als Existenzgründer, die sich außerhalb eines Franchisesystems als „Einzelkämpfer“ versuchen. Es ist eigentlich leicht nachvollziehbar, dass es weniger risikoreich ist, wenn man sich mit Hilfe eines bereits am Markt erprobten und für erfolgreich befundenen Geschäftskonzeptes selbstständig macht als wenn man eine Geschäftsidee erst selbst am Markt testen muss.

Franchise Welt: Wie sehen Sie die Entwicklung von Franchise in der Zukunft? – Wird es Ihrer Einschätzung nach in den nächsten Jahren noch viele Unternehmen geben, die sich für diesen Weg der Expansion entscheiden?

Dr. Volker Güntzel: Ich sehe die Entwicklung im Franchising weiterhin sehr positiv. Es existiert eigentlich keine Branche, in der Franchising nicht möglich und erfolgversprechend erscheint. Selbst in stark reglementierten Bereichen wie im Gesundheitswesen ist eine stetig wachsende Zahl von Franchisesystemen zu verzeichnen. Gerade im Dienstleistungssektor, der in der Bundesrepublik Deutschland eine besondere Bedeutung hat, bietet Franchising im Vergleich zu anderen Vertriebsformen wie Vertragshändler- oder Handelsvertretersystemen erhebliche Vorteile. Die einzige Wachstumsbremse ist die Tatsache, dass sich die Akquisition von Franchisenehmern in Deutschland als relativ schwierig erweist. Es scheint die Mentalität zu bestehen, lieber einen Job mit einer gewissen Sicherheit zu haben, bei dem man sich aber nicht selbst verwirklichen kann, als ein Risiko in Form der Selbstständigkeit einzugehen. Da ist es um so wichtiger, dass alle im Bereich der Franchisewirtschaft tätigen Experten gemeinsam an einem Strang ziehen, um die Anzahl an etwaigen doch vorhandenen schwarzen Schafen, insbesondere aber an unzureichend informierten und beratenen Franchisegebern, die die Anforderungen an die Etablierung eines erfolgreichen Franchisesystems unterschätzen, weiter zu reduzieren.

Franchise Welt: Was ist Ihr ganz persönlicher Tipp für Personen, die sich für Franchise interessieren?

Dr. Volker Güntzel: Ich rate sowohl Personen, die sich als Unternehmer für die Etablierung eines Franchisesystems interessieren, als auch Personen, die als Franchisenehmer im Rahmen eines Franchisesystems tätig werden wollen, sich möglichst umfassend vorab über die Chancen, Risiken und Anforderungen zu informieren. Sowohl bei Franchisenehmern als auch bei Franchisegebern muss ich immer wieder feststellen, dass die Anforderungen unterschätzt bzw. bestehende Informationsmöglichkeiten nicht ausgeschöpft worden sind. Zudem genügt es in der Regel nicht, sich nur selbst diverse Zahlen, Daten und Fakten zu beschaffen, sondern sowohl der angehende Franchisegeber als auch der angehende Franchisenehmer muss sich der Unterstützung externer Berater bedienen. Die damit verbundenen Kosten sind meiner Ansicht nach angesichts des jeweiligen Investitionsvolumens, der Bedeutung der zu treffenden Entscheidungen und der damit verbundenen Risiken sehr gut investiert. Schließlich sollten beide Parteien bei den vorvertraglichen Gesprächen auf ihr „Bauchgefühl“ hören. Der Franchisegeber muss sicher sein, dass er mit dem Franchise-Interessenten über Jahre, möglichst über Jahrzehnte hinweg, partnerschaftlich zusammenarbeiten kann, d. h. es muss auch menschlich passen. Der Franchise-Interessent, der bereits von Anfang an zahlreiche Änderungen des Franchisevertrages und sonstige Ausnahmen fordert, wird sich der Erfahrung nach auch während des Vertragsverhältnisses als Querulant erweisen. Wie oft höre ich, wenn es bereits zu einem ernsten Konflikt mit dem Franchisenehmer gekommen ist, von meinen Mandanten den Satz: „Ich hatte gleich kein gutes Gefühl.“ Der Franchise-Interessent sollte darüber hinaus darauf achten, ob der Franchisegeber wirklich alle Informationen offen legt bzw. auf Fragen ausweichend reagiert. Verweigert der Franchisegeber dem Interessenten beispielsweise, mit bereits vorhandenen Franchisenehmern Kontakt aufzunehmen, um diese nach deren Erfahrungen befragen zu können, erscheint mir Vorsicht angebracht.

 

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