Interview mit Kerstin Nina Schulz zum Thema Franchise

Dr. Kerstin Nina Schulz

Dr. Kerstin Nina Schulz

Franchise Welt: Hallo Frau Schulz, vielen Dank für das Interview zu Franchise Welt. Wir sind ein ganz junges und neues Portal im Bereich Franchise. Was genau hat Sie dazu bewegt Partner hier bei Franchise Welt zu werden?

Dr Kerstin Nina Schulz:  Da ich selbst sehr von der Vertriebsform des Franchising überzeugt bin und diese nach meinem Dafürhalten in Deutschland nach wie vor sehr stiefmütterlich behandelt wird, möchte ich mich gerne selbst dafür engagieren, dass sich dies künftig ändert. Leider ist das Franchising in Deutschland lange nicht so populär wie in anderen Ländern und geniesst lange nicht den Bekanntheitsgrad, den es verdient hätte. Nach wie vor kursieren zahlreiche Gerüchte über geldgierige und übermächtige Franchisegeber, welche nur darauf aus sind hilflose Franchisenehmer auszunehmen und diese um ihr Erspartes zu bringen. Rein tatsächlich bietet das Franchising jedoch sowohl expansionsfreudigen Unternehmen eine perfekte Möglichkeit sicher zu expandieren  und Verantwortung abzugeben, als auch Existenzgründern und Jungunternehmern die Möglichkeit, sich mit einem starken Partner selbständig zu machene. Dies möchte ich unterstützen und daher dieser neue Platform und ihren Besuchern mein Wissen und meine Erfahrung zur Verfügung stellen.

Franchise Welt: Wie genau sind Sie zum Franchise gekommen und wie lange sind Sie bereits in der Branche aktiv?

Dr Kerstin Nina SchulzDas war eigentlich eher Zufall. Als Student habe ich mein Studium als Bedienung in einem Enchilada Restaurant finanziert. Da es sich hierbei um eine Franchisekette handelt, kam ich etwas näher mit dieser Vertriebsform in Berührung und das Konzept hat mich sofort überzeugt. So bin ich dann zum Thema meiner Dissertation “die Schadensersatzansprüche des Franchisenehmers gegen den Franchisegeber auf Grund der Verletzung vorvertraglicher Aufklärungspflichten” gekommen; wobei ich dazu sagen möchte, dass es im Enchilada keine solche Aufklärungspflichtverletzungen gab und ich mit diesem System nach wie vor gut zusammenarbeite. In der Folgezeit habe ich mich dann durch Vorträge etabliert und mich im deutschen Franchisenehmerverband DFNV engagiert. Neben meiner Tätigkeit für diverse Franchisenehmervereinigungen grosser Systeme betreue ich allerdings auch Franchisegeber und bin im Rahmen von Systemkonzeptionierungen tätig. Insoweit finde ich es wichtig, dass man beide Seiten kennt und mögliche Problempunkte sowohl aus der Sicht der Franchisenehmer als auch der Franchisegeber beurteilen kann. 

Inzwischen bin ich bereits über 12 Jahre auf dem Gebiet des Franchiserechts tätig und betreue sowohl Franchisenehmer als auch Franchisegeber.

Franchise Welt: Was fasziniert Sie denn besonders beim Thema Franchising?

Dr Kerstin Nina Schulz: Die klassische win win Situation, die sich jedenfalls dann ergibt, wenn das Franchising auch so praktiziert wird, wie dies der Fall sein soll. Der Franchisegeber kann Verantwortung abgeben und weiss seine Filiale in der Hand eines selbständig und eigentverantwortlichen Franchisenehmers, welcher zur Stärkung des Systems beiträgt und der Franchisenehmer bekommt ein schlüsselfertiges Unternehmen und hat einen starken Partner an seiner Seite, welcher ihm den Schritt in die Selbständigkeit erleichtert.

Franchise Welt: Viele Personen schrecken zurück, wenn sie das Wort Franchising hören. Gibt es in diesem Bereich wirklich so viele schwarze Schafe?

Dr Kerstin Nina SchulzDas kann man so nicht sagen. Als Anwältin komme ich jedenfalls im Rahmen der Franchisenehmer Beratung – sofern es sich nicht um eine Beratung vor Unterzeichnung des Vertrages handelt – naturgemäss viel mit Systemen in Kontakt, in denen einiges schief läuft. Leider werden auch genau diese Fälle natürlich publik und erregen das Interesse der Öffentlichkeit. Wesentlich “uninteressanter” sind dagegen Systeme, in welchen die Franchisepartner jahrelang gut zusammen arbeiten. Ich denke nicht, dass es im Franchising mehr oder weniger schwarze Schafe gibt, als in anderen Vertriebssystemen. Insbesondere das Vorurteil, dass es sich bei vielen Franchisesystemen um Schneeballsysteme handelt, muss dringend ausgeräumt werden. Bei diesen Konstrukten handelt es sich tatsächlich um Systeme, bei denen die Gefahr hoch ist, sein eingebrachtes Kapital zu verlieren.

Franchise Welt: Wie sehen Sie die Entwicklung von Franchise in der Zukunft? – Wird es Ihrer Einschätzung nach in den nächsten Jahren noch viele Unternehmen geben, die sich für diesen Weg der Expansion entscheiden?

Dr Kerstin Nina Schulz: Das hoffe ich sehr, nicht zuletzt dies soll ja auch diese Seite fördern. Es wäre bedauerlich, wenn einem so tollen Vertriebssystem in Deutschland keine Chance gegeben wird. Ich werde alles dafür tun, um dies zu unterstützen.

Franchise Welt: Was ist Ihr ganz persönlicher Tipp für Personen, die sich für Franchise interessieren?

Dr Kerstin Nina Schulz: Die Franchisenehmer sollten sich branchenabhängig über verschiedene für sie in Frage kommende Systeme informieren und dann Kontakt zu den Systeminhabern und im Idealfall auch zu Franchisenehmern aufnehmen. Vor der Unterzeichnung eines Vertrages rate ich dringend dazu, die Hilfe eines Fachmannes in Anspruch zu nehmen, um spätere grössere Probleme zu umgehen. Wenn sich ein Unternehmer für eine Expansion durch eine Franchisierung seines Betriebes interessiert, macht es Sinn, bereits in der Anfangsphase anwaltschafltiche Beratung zu suchen, um so herauszufinden, ob sich sein Unternehmen hierfür eignet und das FRanchising ihm das bieten kann, was er sich vorstellt, bzw. welche genauen Gestaltungsmöglichkeiten für ihn in Frage kommen.

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